In dieser Serie möchte ich einige praktische Ansätze für das Zeichnen mit dem Skizzenbuch in der Natur geben. Das Schöne an einem Naturtagebuch ist, dass man gar nicht viel dafür braucht. Wer schon mal in irgendeiner Form gemalt oder gezeichnet hat, hat vermutlich schon alles zuhause, was man braucht.

Teil 1: Wie wähle ich das richtige Skizzenbuch?

Ein Skizzenbuch auszuwählen kann angesichts der Masse an verfügbaren Varianten recht schwierig scheinen. Hier ein paar Gedanken von mir, um zu einer Auswahl zu kommen:

  • Wähle unbedingt ein Skizzenbuch das leicht genug ist, um es nach draußen mitzunehmen. Es gibt tolle, großformatige Skizzenbücher, die dann zuhause rumstehen, weil sie zu schwer sind, um sie mit nach draußen zu nehmen. Da es beim Zeichnen in der Natur darum geht, das Ganze auch draußen zu tun, sollte das Skizzenbuch in der Hinsicht praktisch sein: also möglichst leicht und nicht zu klobig.
  • Nimm aber auch kein zu kleines Skizzenbuch. Es kann schwierig sein, auf einer kleinen Fläche zu zeichnen und Anmerkungen zu machen. Welche Größe ist also gut? Für mich funktioniert am besten das Format A5 (oder manchmal einen Tick größer) – das ist zusammengeklappt gut zu verstauen, und es bleibt immer noch ausreichend Platz zum Zeichnen. Du kannst ausprobieren, ob du ein Hoch- oder Querformat bevorzugt, ich finde das Hochformat praktischer, da man eine Zeichnung auch auf die Doppelseite ausweiten kann, um mehr Breite zu erhalten (z.B. für Landschaften), es ist aber schwierig, zu einem Querformat mehr Höhe hinzuzufügen.
  • Schau auf die Papierqualität, das Papier sollte säurefrei sein. Wer sich mal alte Taschenbücher angeschaut hat, weiß warum: billiges, säurehaltiges Papier wird spröde und zerbricht nach einigen Jahren.
  • Skizzenbücher mit Spiralbindung: Ich mag diese Sorte Skizzenbuch nicht so recht, da mir die Spirale beim Zeichnen immer im Weg ist (und man auch nicht so schöne Doppelseiten gestalten kann), aber manche Naturzeichner finden sie praktisch, da man sie recht gut mit einer Hand halten kann.
  • Ein Hardcover-Skizzenbuch hat den Vorteil, dass eine feste Unterlage quasi darin verbaut ist – das ist praktisch, wenn man draußen unterwegs ist. Softcover-Skizzenbücher bieten da nicht so guten Halt. Manche Zeichner nehmen eine dünnes Plastikplatte als portable Unterlage mit (sieht ein wenig aus wie Wellpappe, erhältlich im Baumarkt oder Künstler-/Architekturbedarf). Man kann auch mithilfe seines Arms für eine stabilere Zeichenfläche sorgen. Achte darauf, dass das Skizzenbuch eine Fadenheftung hat, und keine Klebebindung, so dass die Bindung nicht bricht und Seiten herausfallen.
  • Wer Aquarellfarben benutzt, sollte geeignetes Papier dafür wählen. Manche Skizzenbücher haben sehr dünnes Papier, das sich nur zum Zeichnen eignet. Das klappt prima, solange man nur mit Fineliner, Füller und Buntstiften arbeitet (was toll aussehen kann), sobald aber Aquarell hinzukommt (was eine schöne Technik für das Naturtagebuch ist), sollte man auf das richtige Papier achten – etwas dicker und mit den richtigen Eigenschaften, um Wasser und Pigment anzunehmen. Es gibt Hersteller, die extra Skizzenbücher für nasse Medien anbieten.
  • Deine Beobachtungen und Zeichnungen werden nicht dadurch besser, dass du ein besonders teures oder tolles Skizzenbuch hast. Tatsächlich kann das sogar kontraproduktiv sein (wer ein „besonderes“ Skizzenbuch im Regal stehen hat, dass er sich seit Jahren für was „ganz Besonderes und Tolles“ aufhebt und ahnt, dass er nie darin malen wird, bitte jetzt die Hand heben. Ich habe solche Bücher auch..). Bitte fühl dich nicht eingeschüchtert von deinen Materialien, sie sind da um benutzt zu werden, und ohne Fehler geht es eben nicht (warum das auch gut so ist, schreibe ich ein andermal). Beim Zeichnen draußen mit einem Naturtagebuch geht es in erster Linie um das Beobachten und Naturerleben, nicht um perfekte Zeichnungen oder ein tolles Portfolio zum Blättern. Ein gutes Skizzenbuch muss nicht mehr als 10-15 Euro kosten und es darf und soll dann auch benutzt aussehen – es ist in erster Linie ein Nutzgegenstand, kein Kunstobjekt.
  • Wer mag und etwas handwerkliches Geschick hat, kann sich auch sein eigenes Skizzenbuch herstellen, das ist nicht allzu schwer, wenn man etwas Zeit hat. Der Vorteil ist, dass man dann ein Skizzenbuch mit seinem Lieblingspapier hat. Ich binde mir auch manchmal Skizzenbücher aus Fehlkäufen – Papier, das ich doch nicht so gerne als Block verwende – das Skizzenbuch ist zumindest irgendwann gefüllt und ich kann das ungeliebte Papier auf diese Art noch nutzen.

Hier sind einige Skizzenbücher, die ich ausprobiert und für gut befunden habe:

Kunst & Papier Aquarellbuch: diese Skizzenbücher sind recht günstig und in verschiedenen Größen erhältlich. Das Papier ist für Aquarell geeignet, aber ein wenig zu dünn wenn man viel Wasser auf die Seite bringt. Die Bindung ist recht robust.

Hahnemühle Watercolor Book: Ein sehr vielseitiges Skizzenbuch mit Aquarellpapier mit guter Qualität. Hat ein Gummiband als Verschluss, was praktisch sein kann. Das Papier hält recht viel aus, obwohl es nur geringfügig stärker ist als die Kunst & Papier Bücher.

Stillman & Birn: In Deutschland etwas schwer zu bekommen und etwas teurer, dieser Hersteller hat jedoch eine tolle Auswahl an diversen Skizzenbuchmodellen. Ich mag die Alpha-Reihe (dünnes, hochweißes Papier, für Aquarell geeignet), die Beta-Reihe hat dickeres Papier, was zwar mehr Gewicht in der Tasche macht, aber auch für komplexe Maltechniken gut geeignet ist (diese Besonderheit macht es dann wiederum zu einem Kandidaten für „tolle, besondere Skizzenbücher“, die man nie nutzt – hier also beherzt losmalen).

Selbstgemachte Skizzenbücher: Wer gern selbst Dinge herstellt, sollte diese Variante mal ausprobieren. Ein definitiver Vorteil am selbstgemachten Skizzenbuch ist für mich, dass wenn mit dem Zusammenbasteln fertig bin, es schon etwas benutzt und weniger wertvoll aussieht, und die Hemmungen darin zu zeichnen sind quasi weg. Positiv ist auch, dass man dafür sein Lieblingspapier verwenden kann, so man den schon eins hat. Die Bindung (eine selbstgenähte Fadenheftung) kann so flexibel angepasst werden, dass man das Skizzenbuch gut klappen und draußen in der Natur halten kann.

Oben sieht man noch mal mein selbstgemachtes Skizzenbuch im Vergleich zu den anderen vorgestellten: Es ist wunderbar leicht und hat eine gute Größe.
Ich hoffe dieser Beitrag war hilfreich für dich, schreib mir doch gern in die Kommentare, welche Skizzenbücher du gerne nutzt und was für dich hilfreich ist beim Zeichnen.

Im nächsten Teil dieser Serie schauen wir uns dann die Zeichenwerkzeuge – Stifte und Farben- an.

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