Wie man ein neues Skizzenbuch beginnt

Soll ich dir ein Geheimnis verraten? Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte ich Angst vor meinem Skizzenbuch. Ich war Perfektionistin, und ich hatte Angst Fehler in meinem Skizzenbuch zu machen, das natürlich durch eine schlechte Zeichnung ruiniert worden wäre. Ich habe meist lieber auf losem Papier gezeichnet. Ich bin mir sicher, dass einige von euch dieses Gefühl kennen…allerdings hält es uns zurück, vom Erforschen, Ausprobieren und Sich-Ausdrücken. Erst in den letzten Monaten habe ich das Skizzenbuch für mich vorbehaltlos akzeptieren können, und das mit der Hilfe des Naturtagebuchs und einigen Techniken, die ich heute gern vorstellen möchte. Das hat meinem Umgang mit dem Skizzenbuch komplett verwandelt – von einem Ort, an den ich mich nur getraut habe, wenn ich mich gut genug gefühlt habe, zu einem Ort, den aufregend ist und Spaß macht.

Einige praktische Tipps um ein neues Skizzenbuch einzuweihen oder um die Angst vor dem unperfekten Skizzenbuch zu besiegen:

  • Beginne nicht auf der ersten Seite, sondern auf der zweiten (oder dritten). So kannst du später zu Seite eins zurückkehren, wenn das Skizzenbuch schon in Gebrauch ist. Die erste Zeichnung kann dabei sowohl eine schnelle Skizze sein, oder einfach ein Strich, der den Anfang markiert.
  • Denk daran, dass die ersten Skizzen des Tages zum Aufwärmen da sind und noch nicht so gelungen sein müssen. Deine Hand und Augen brauchen auch Zeit um warm zu werden, auch wenn du jeden Tag zeichnest. Noch ein Grund diese Anfangsskizzen nicht zu ernst zu nehmen.
  • Ein kleines Projekt für die erste Seite, das ich vor Kurzem begonnen habe, sind kleine Wetterzeichnungen. Ich reserviere mir die erste Seite für Wetterbeobachtungen und male schnelle Aquarellskizzen davon, wie der Himmel an diesem Tag ausgesehen hat. Mit der Zeit kommt dann eine interessante „Briefmarkensammlung“ auf der ersten Seite dabei heraus. So erhält man auch einen schönen Querschnitt mit Wetterimpressionen über die komplette Zeit, in der das Skizzenbuch in Gebrauch war.
  • Schreib deinen Namen und deine Adresse oder Telefonnummer in den Deckel des neuen Skizzenbuchs. Schon ist es nicht mehr komplett neu, sondern in Benutzung. Ein positiver Nebeneffekt ist: wenn du es verlierst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es dir ein netter Mensch zurück gibt.
  • Wenn du dein Skizzenbuch selbst bindest, wirst du sehen, dass es viel einfacher ist, mit dem Zeichnen darin zu beginnen. Ein selbstgemachtes Skizzenbuch fühlt sich weniger unantastbar an. Zumindest geht es mir so.
  • Eine andere gute Idee ist es, zu Anfang das Datum, den Ort und das Wetter zu notieren, wenn du mit dem Skizzieren loslegst. Diese Metadaten helfen dir später auch beim Erinnern, wenn du noch mal durch dein Skizzenbuch blätterst.
  • Du kannst auch eine Testseite für deine Stifte und Farben auf der ersten oder der letzten Seite einrichten. Eine schöne Idee ist es zum Beispiel, deine aktuelle Aquarellpalette in dein Skizzenbuch zu malen. Besonders wenn du deine Farben öfter mal austauschst, ist das später schön zu sehen.
  • Und ganz zum Schluss der wichtigste Tipp: verabschiede dich von dem Gedanken, dass dein Skizzenbuch eine Ansammlung von perfekten Zeichnungen sein muss. Das Skizzenbuch ist kein Portfolio, sondern es ist zum Ausprobieren, Lernen, Experimentieren, Beobachten und Erfahrungen machen. Im Skizzenbuch darfst du Üben und Fehler machen, du sollst es sogar. Du kannst dein Skizzenbuch so nutzen, wie es für dich am besten passt.

Ich hoffe diese Tipps waren hilfreich für dich. Vielleicht kennst du ja auch noch ein paar Strategien, um die Angst vor dem weißen Blatt zu bekämpfen? Lass es mich gern wissen!

Ein Beispiel für schnelle, kleine Landschaftsaquarelle vorn in meinem Naturtagebuch.

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