Was macht man eigentlich mit einem Naturtagebuch? Für jemanden, der noch nicht mit dieser Technik vertraut ist, kann es hilfreich sein, sich ein paar Beispiele aus anderen Skizzenbüchern anzuschauen. Hier sind ein paar verschiedene Methoden, die du in deinen Naturtagebuch einsetzen kannst.

Generell geht es im Naturtagebuch um Naturbeobachtungen, man nutzt verschiedene Methoden, um das aufzuzeichnen, was man sieht. Dabei können sowohl Bilder als auch Textnotizen zum Einsatz kommen.

Ein Objekt (so wie eine Pflanze, ein Tier, ein Naturphänomen) visuell zu untersuchen, kann helfen es besser zu verstehen. Manchmal funktioniert eine Skizze besser, und manchmal ein kurzer Text. Du kannst das Skizzenbuch auch dafür verwenden, Grundlagenwissen wie den Aufbau von Pflanzen oder Tieranatomie zu studieren. Ich schreibe auch gern Fragen in mein Naturtagebuch – was ist unvertraut oder unerwartet? Was hast du noch nie wahrgenommen an dem, was du betrachtest? An was erinnert es dich?

Hier sind einige Beispiele aus meinem Skizzenbuch:

Einen Aspekt auf verschiedenen Wegen betrachten:

Du kannst zum Beispiel auch das Verhalten von Vögeln (oder anderen Tieren) beobachten, indem du sie in verschiedenen Posen zeichnest. Dieses schnelle Zeichnen muss etwas geübt werden, da Vögel sich viel bewegen, aber mit der Zeit fällt es einem leichter. Und dann kann man einem Tier in seinem Skizzenbuch folgen und sein Verhalten dokumentieren.

Auf dieser Doppelseite habe ich mich mit der Anatomie von Vögeln beschäftigt. Ich habe diese Zeichnungen zuhause mit Hilfe von Referenzen gemacht. Diese Art von Grundlagenwissen hilft mir, draußen in der Natur dann schneller und präziser zu zeichnen, weil ich verstehe, wie beispielsweise ein Flügel funktioniert. Dasselbe gilt natürlich auch für Pflanzen, Bäume, und alle anderen Elemente in der Natur (Wetter, Licht, Pilze, etc.). Indem man die Natur verstehen lernt, wird sie einem vertrauter, und man lernt sie mehr zu schätzen.

Du kannst auch kleine Sammlungen anlegen mit Dingen, die du mit nach Hause nimmst. Das können Zapfen oder Beeren sein, oder auch Blätter, Federn, oder Rindenteile. Arrangiere sie vor dir und zeichne sie dann. Diese Technik ist besonders nützlich in der kalten Jahreszeit. Ich habe diese Sammlung von verschiedenen Winterbeeren auf der linken Seite für meinen Skillsharekurs gezeichnet.

Man kann sowohl die Größe eines Objekts festhalten, als auch die Menge (wie viele Blütenblätter hat eine Blume, kann ich einen Baumsamen in Originalgröße abbilden?). Versuche verschiedene Perspektiven einzunehmen und Notizen zu machen: betrachte zuerst die gesamte Landschaft und fokussiere dich dann auf ein interessantes Detail.
Ich habe auf dieser Seite zuerst eine Landschaftsskizze gemacht, und dann einen näheren Blick auf die Motten am Boden geworfen, die ich dort entdeckt habe. Zuhause habe ich diese Beobachtung genutzt und mich noch etwas in die Anatomie von Faltern eingelesen und das dokumentiert.

Die Seiten in deinem Naturtagebuch müssen keine fertigen, perfekt gemalten Bilder sein. Vielmehr soll es dir dabei helfen, deine Gedanken und Fragen zu visualisieren und als Gedächtnisstütze dienen. Ein Naturtagebuch ist ein Werkzeug, um etwas über die Natur zu lernen, oder um seine Empfindungen dazu aufzuzeichnen. Du wirst auch feststellen, dass es gar nicht so wichtig ist, eine fertige perfekte Zeichnung im Skizzenbuch zu haben. Meistens sieht es schon ziemlich toll aus, wenn man eine Seite hat und darauf etwas Text und Farbe verteilt. Vergleich mal die Seiten unten, welche findest du interessanter? Die freistehenden Vögel links, oder die Seite mit Text über Wetterphänomene rechts?

Einige zusätzliche Ideen:

  • Fang an Fragen zu stellen, und notiere diese neben deiner Skizze. Was fällt dir zu deinem Motiv ein, woran musst du denken, was fragst du dich, wenn du es betrachtest? Was ist merkwürdig daran? Wie verändert es sich mit der Zeit? Diese Sorte Fragen kannst du dir immer wieder stellen, wenn du draußen bist.
  • Du kannst verschiedene Objekte vergleichen. Wie unterscheiden sie sich in Farbe, Standort oder Geruch? Wie fühlen sie sich an? Wo hast du sie gefunden?
  • Füge ein paar Metadaten zu deiner Seite hinzu: das Datum, Wetter oder auch die Mondphase. Wer mag kann auch eine kleine Landschaftsskizze anfertigen. Ich mache diese Wetterskizzen gern auf der allerersten Seite meines Skizzenbuchs, das ist übrigens auch ein guter Trick um einen leichten Einstieg in einem neuen Skizzenbuch zu finden.
  • Du kannst auch Gedanken, Gedichte oder persönliche Erinnerungen auf deiner Seite unterbringen. Eine Naturbeobachtung kann Anlass sein für einen Bewusstseinsstrom, den man notieren möchte. Ein Naturtagebuch kann also auch wortwörtlich als Tagebuch dienen.
  • Direkte Erfahrungen und Beobachtungen sind meistens viel wertvoller als Wissen aus Büchern. Das sage ich jetzt bewusst als jemand, der viel liest und Buchwissen schätzt. Eigene Beobachtungen und Aufzeichnungen sind für mich das Herz des Naturtagebuchs.
  • Eine andere interessante Technik ist es, ein fortwährendes Naturtagebuch zu führen. Du legst für jede Woche des Jahres eine Doppelseite an, und fügst jedes Jahr ein neues gezeichnetes Element hinzu. Dies ist ein Langzeitprojekt, was einem Einblicke geben kann, wie sich die Dinge von Jahr zu Jahr und zwischen den Jahreszeiten verändern.
  • Auch ohne ein fortwährendes Tagebuch kannst du zurückblättern und dir alte Einträge ansehen. Es kann interessant sein, einen frischen Blick auf alte Zeichnungen zu werfen, oftmals haben sich die eigenen Erfahrungen in der Zwischenzeit verändert. Ein solcher Rückblick kann einem auch aufzeigen, wie sich das eigene Leben oder die Natur gewandelt hat.
  • Um Natur zu beobachten und zu zeichnen, muss man nicht weit fahren, sie ist überall, auch in der Stadt oder im Hinterhof. Selbst auf dem Mittelstreifen bilden sich kleine Lebensgemeinschaften.
  • Ein Naturtagebuch kann auch dein Begleiter sein, wenn du auf Reisen gehst und einen neue Ort erkundest (eventuell Mitreisende werden auch nach und nach geduldiger, wenn man sein Skizzenbuch unterwegs auspackt).
  • Kleine Sammlungen, die man en detail studiert, sind toll im Winter oder wenn man nicht längere Zeit draußen zeichnen kann.
  • Eine andere gute Technik im Winter ist es, das zu zeichnen, was man aus seinem Fenster sehen kann, oder durch die Windschutzscheibe.
  • Ein Naturtagebuch zu führen ist auch eine tolle Aktivität mit Kindern zusammen. Sie können ihr eigenes Skizzenbuch mit Zeichnungen und Text anlegen. Kinder brauchen positive Ermutigung, also unterstütze sie beim genauen Beobachten.

Ein Naturtagebuch ist ein großartige Möglichkeit, die eigene Zeit draußen zu dokumentieren und eine tiefere Verbindung zur Natur aufzubauen. Man muss keine wahnsinnig guten Zeichenkenntnisse haben, um loszulegen, aber ich verspreche jedem, der es eine Zeit lang macht, dass er sich verbessern wird. Dranbleiben und üben ist der Knackpunkt: um besser zeichnen zu lernen, muss man zeichnen. Und ein Naturtagebuch kann dir dabei helfen, das Zeichnen zur Gewohnheit zu machen.

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