Meine Aquarell-Palette für unterwegs + Tipps zum Zusammenstellen eines Farbkastens

von | 27. March 2019 | 0 Kommentare

Heute möchte ich die Palette und die Aquarellfarben vorstellen, die ich derzeit in meinem Skizzenbuch und unterwegs verwende. Wenn ich zuhause arbeite, habe ich zwar meist noch einen größeren Kasten auf dem Tisch stehen, aber meistens reicht mir schon der Kleine.

Ein paar generelle Gedanken zum Thema Farben:

  • Du wirst bemerken, dass mein kleiner Farbkasten recht viele Farben hat, derzeit habe ich ihn mit 23 Näpfen bestückt. Das liegt daran, dass ich vor Kurzem neue Farben gekauft habe, und damit etwas rumprobieren will, bevor sie unangetastet in irgendeiner Kiste verstauben.
  • Ich bevorzuge Metallkästen, ich finde man kann darin einfacher mischen. Kunststoffpaletten sind etwas leichter, aber die Farbe formt meist kleinere Tropfen anstatt eines großen Farbfeldes. Beide Varianten verfärben sich nach einiger Zeit, aber meine Keramikpalette lasse ich trotzdem lieber zuhause.
  • Als ich vor Jahren mit der Aquarellmalerei angefangen habe, hatte ich mir erstmal günstigere Studienfarben angeschafft, die ich dann nach und nach durch Farben in Profiqualität ersetzt habe. Diese haben mehrere Vorteile, wie zum Beispiel höhere Pigmentdichte (man bekommt also mehr für sein Geld) und meist auch höhere Leuchtkraft und Lichtbeständigkeit. Die Daumenregel lautet hier, dass du die beste Qualität anschaffen solltest, die du dir leisten kannst. Außerdem empfiehlt es sich, auf Farben aus Einzelpigmenten zu achten, diese ergeben meist schönere Mischungen. Ich habe festgestellt, dass meine Farbmischungen klarer und besser in Schichten malbar wurden, als ich auf Farben in Künstlerqualität gewechselt habe.
  • Wenn du Farben auswählst, ist es ratsam, nicht nach dem Namen des Farbtons zu gehen (dieser wird von der Marketingabteilung des Farbherstellers ausgedacht), sondern nach dem verwendeten Pigment. Man kann dessen Bezeichnung als kleinen Buchstaben-Zahlen-Code auf der Tube oder dem Napf finden. Pigmente sind standardisiert, weichen allerdings je nach Hersteller manchmal leicht voneinander ab, daher ist es nützlich, wenn man sich online Vergleiche zwischen den Farben anschaut.
  • Eine tolle Informationsquelle dafür ist die Webseite Handprint – hier findet man wirklich sehr umfassende Informationen zu fast allen gängigen Pigmenten, die für Aquarellfarben verwendet werden, sowie kleine Farbkarten. Nur der in Deutschland gängige Hersteller Schmincke ist nicht so oft vertreten. Wenn du mehr über das leicht nerdige Thema Farbpigmente lernen willst, ist die Seite ein tolles Archiv.
  • Eine weitere Farbexpertin ist Jane Blundell – sie hat auf ihrem Blog Farben fast aller großen Hersteller getestet und dies umfassend dokumentiert. Darüber hinaus gibt sie auch wertvolle Tipps, wie man seine Palette zusammenstellen kann.
  • Ich male hauptsächlich mit Schmincke Horadam Farben, da diese hierzulande zu einem guten Preis erhältlich sind. Ich habe auch einige Farben von Winsor & Newton und Daniel Smith in Gebrauch, wobei letztere in Deutschland schon eher teuer sind.
  • Obwohl es am einfachsten erscheinen mag, sich als Anfänger einfach einen Farbkasten mit ausgewählten Farben zu holen, haben diese fertigen Kästen meistens Farben, die man gar nicht braucht (schwarz) oder die sich nicht gut mischen lassen (Cadmiumpigmente ergeben zB oft dumpfe Mischungen). Für den Anfang ist ein bereits bestückter Kasten völlig ok, wenn du dann etwas mehr Malerfahrung hast, solltest du überlegen, ob du dir einen Kasten mit individuellen Farben zusammenstellst – es lohnt sich in jedem Fall.
  • Letzten Endes macht natürlich jeder seine persönlichen Erfahrungen und jeder hat auch andere Vorlieben – einen Malkasten zusammenzustellen ist etwas sehr persönliches, und du wirst mit der Zeit die Pigmente und Farben finden, die du gerne verwendest. Probiere also alles mal aus, auch die Dinge, von denen ich hier eher abrate. Nur so lernst du, was für dich gut funktioniert.
  • Ich verwende gern transparente und leuchtende Farben, daher besorge ich mir meistens eher transparente statt deckender Pigmente, da diese klarere Mischungen ergeben. Diese Informationen (transparent, deckend) sind übrigens in den Broschüren der Hersteller und auf der Verpackung angegeben, es lohnt sich, diese zu studieren. Obwohl ich ab und zu gern granulierende Farben im Skizzenbuch ausprobiere (dies sind Farben, bei denen sich die gröberen Pigmente nicht gleichmäßig auf dem Papier ablagern, sie bilden eine Art Sprenkeleffekt), habe ich nicht so viel Verwendung dafür in meinen realistischen Illustrationen, demnach halte ich mich mit granulierenden Farben in der Palette zurück.
  • Am Anfang gilt vor allem eins: egal welche Farben du hast, lerne sie kennen! Wenn du Lust auf eine entspannende Fleißarbeit hast, ist eine große Mischtabelle mit allen Farben eine exzellente Möglichkeit, alle Kombinationen auszuprobieren.
  • Ich verwende kein Schwarz in meiner Palette, wohl aber dunkles Grau mit einem Schwarzanteil, und ich benutze auch weiße Gouache für Lichter.

Bei meinem Farbsortiment habe ich den Ansatz verfolgt, jeweils eine warme und eine kalte Version einer Grundfarbe unterzubringen, dazu habe ich einige vorgemischte Grün- und Grautöne genommen, sowie Erdfarben. Es lassen sich selbstverständlich auch ausgewogene Paletten mit nur 12 oder 16 Farben zusammenstellen, also lass dich nicht von meinem Überfluss bei der Farbauswahl anstecken. Ich bin nicht sehr gut darin, Farben auszuschließen. (Ich habe einen weiteren Kasten für unterwegs mit 26 Näpfen, auf den ich mich schon freue, und in meinem Studio zuhause habe ich einen großen Kasten mit 48 Farben gefüllt…). Helle deckende Töne habe ich in Form einer kleinen Palette mit Gouachetönen mit dabei.

Manche Aquarellisten bevorzugen einen kleineren Kasten, der nur Primärfarben enthält, aus denen man dann alles weitere mischen kann. Ich habe gern etwas mehr Auswahl an Pigmenten und damit auch einen größeren Farbraum und mehr Möglichkeiten. Für den Anfang kann es aber sinnvoll sein, übersichtlich zu starten.

Die Abkürzung hinter dem Namen der Farbe bezeichnen die Pigmente. Du kannst sehen, dass ich meist Farben aus Einzelpigmenten verwende, bis auf einige vorgemischte Grün- und Grautöne.

Die Eigenschaft lasierend, halblasierend, halbdeckend und deckend bezeichnet die Deckkraft der Farbe.

Die Auswaschbarkeit (auf englisch “staining”, also Färbung) bezeichnet die Eigenschaft, wie gut Pigmente nach dem Trocknen wieder mit dem Pinsel angelöst und aus dem Papier entfernt werden können.

Schmincke Zinnober PR255 – deckendes Rot, ein gutes warmes Rot zum Mischen, mittlere Auswaschbarkeit.

W&N Winsor Red (Pyrrolrot) PR254 – Halblasierendes, kaltes Rot, schlechte Auswaschbarkeit.

Schmincke Rubinrot PV19 – Halblasierendes kaltes Pink, das gute Orange-, Violett- und Pinktöne mischt, mittlere Auswaschbarkeit.

W&N Winsor Violet (Dioxazinviolett) PV23 – lasierendes Violett, schön zum Schattenmischen, schlechte Auswaschbarkeit.

W&N Cobalt Blue PB28 – Halblasierendes, warmes Blau.

Schmincke Phthaloblau PB15:1 – Halblasierendes grünliches Blau, als Primärcyan gut zum Mischen, sehr intensiv, mittlere Auswaschbarkeit.

Schmincke Lasurgelb PY150 – lasierendes warmes Gelb, das sich von einem intensiven Gelbbraun zu einem hellen, warmen Gelb verdünnen lasst, , mittlere Auswaschbarkeit.

Schmincke Chromorangeton PO62 – Halblasierendes Orange, mittlere Auswaschbarkeit.

Schmincke Olivgrün gelblich PO62, PG36 – Halblasierendes warme Grünmischung, gut für olivfarbene Vögel, schlechte Auswaschbarkeit.

Schmincke Maigrün PY151, PG7 – Halblasierendes warmes, helles Grün, gut geeignet für Frühlingsgrün, mittlere Auswaschbarkeit.

W&N Cerulean Blue Red Shade PB36 – Halbdeckendes, kaltes Blau, schön für Himmel wegen dem Granulationseffekt.

Schmincke Zitronengelb PY3 – Halblasierendes kaltes Gelb, mittlere Auswaschbarkeit. Ein gutes Primärgelb zum Mischen.

W&N Yellow Ochre PY43 – halbdeckender Erdfarbton, ähnlich wie Siena Natur.

W&N Green Gold PY129 – warmes lasierendes Gelbgrün, gut zum Mischen mit anderen Grüntönen.

Schmincke Phthalogrün PG7 – Halblasierendes kaltes Grün. Ich verwende es nie allein, zum Mischen ist es aber ein sehr nützlicher Farbton mit Gelb oder Rot, gute Auswaschbarkeit.

Schmincke Perylengrün PBk31 – deckendes dunkles Grün, fast schwarz, gut für Schatten, mittlere Auswaschbarkeit.

Schmincke Neutralgrau PR255, PO62, PB60 – Halbdeckendes Grau ohne Schwarzanteil. Gut zum Mischen und für dunkle Flächen, die nicht zu schwer wirken sollen, mittlere Auswaschbarkeit.

DS Buff Titanium PW6:1 – Halblasierendes helles Braun. Eine Farbe, die sich gut für Sand oder helle Stellen von Vögeln eignet.

Schmincke Kastanienbraun PBr7 – Halbdeckender, warmer Erdton, eine granulierende Alternative zu gebranntem Siena. Ich experimentiere derzeit mit diesem Farbton. Gute Auswaschbarkeit.

Schmincke Lasur Umbra PR101 – lasierendes warmes Braun, etwas kälter als das Kastanienbraum, gut zum Mischen, schlechte Auswaschbarkeit.

DS Raw Umber PBr7 – Halblasierendes tiefes kaltes Braun, ein Farbton der sich schlecht selbst mischen lässt, schlechte Auswaschbarkeit.

W&N Davy’s Gray PG17, PBk19, PBk6, PW5 – Halbdeckendes helles kühles Grau, eine nette Ergänzung, aber nicht essenziell. Ich verwende es gern für helle Details bei Vögeln.

Schmincke Paynesgrau PR101, PB29, PBk7 – Halbdeckende kalte Dunkelgrau-Mischung, ich verwende es statt Schwarz, mittlere Auswaschbarkeit.

DS = Daniel Smith

W&N = Winsor & Newton Professional

Diese Zusammenstellung ist sicher nicht die „perfekte Farbpalette“, und sie wird sich mit der Zeit sicherlich auch wieder ändern. Das ist normal. Jeder verändert seine Palette ab und an. Wenn du Farben austauschst, denk an Eigenschaften wie Lichtechtheit, Transparenz, Auswaschbarkeit, Granulation, und Qualität der Farbe.

Mein letzter Tipp: verwende die Farbe die du hast und lern sie kennen. Informier dich über Pigmente und experimentiere mit Farbmischungen. Du möchtest vielleicht andere Farben in deinem Kasten haben als ich, und das ist völlig in Ordnung. Jeder Künstler hat seine eigenen Vorlieben!

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Julia Bausenhardt Illustration & Naturskizzen

In diesem Blog schreibe ich über das Zeichnen in der Natur, meine Skizzenbuchexperimente, Pigmente und Aquarelltechniken, Naturtagebücher, Zeichentutorials, Workshops und vieles mehr.
Ich möchte zeigen, wie man die Natur mit dem Skizzenbuch entdecken und dabei gleichzeitig Zeichnen und Malen lernen kann.