Ideen fürs Zeichnen im Winter

von | 30. Januar 2019 | Aquarell, Kreativität, Naturtagebuch, Skizzenbuch, Zeichnen | 0 Kommentare

Ein Naturtagebuch in Winter zu beginnen oder zu führen mag erstmal wenig intuitiv erscheinen, denn wenn man rausschaut, kann es sein, dass da nicht viel ist. Doch gerade dass im Winter weniger Dinge in der Natur passieren ist hilfreich um sich zu fokussieren. Und es gibt durchaus noch Vieles draußen, das eine Betrachtung lohnt. Der Winter ist auch eine gute Zeit, um Grundlagen über die Natur zu erlernen.

Ideen für die kalte Jahreszeit bekommen

Der Winter ist eine Zeit, die von Ruhe und Regeneration bestimmt ist, aber das heißt nicht, dass die Welt komplett kahl und leer ist - je nachdem wo du wohnst, kann die Natur sogar recht aktiv sein. Für mich hier in der relativen Mitte Deutschlands (Kassel) bedeutet Winter immer noch Kälte, und teils auch Schnee (trotz der beobachtbaren Erwärmung in den letzten Jahren), die Natur macht in dieser Zeit eine Pause.
Der Winter als Ruhezeit ist ein wichtiger Teil im Naturkreislauf bevor im Frühling das Wachstum wieder beginnt. Und wenn man genau hinschaut, ist es überraschend, wie viele Tiere durchaus aktiv sind im Winter, um ihr Überleben zu sichern.

Schau dich also mal um, und denk zurück. Was bedeutet Winter dort, wo du lebst? Hat sich das in den letzten Jahren verändert? Ist der Winter in deiner Gegend richtig kalt, oder sind die Veränderungen in der Umgebung eher subtil?

Schau dich auch um in deiner Winterlandschaft: Welche Dinge fallen dir auf und wecken dein Interesse? Was ist noch übrig vom Sommer? Vielleicht vertrocknete Pflanzen oder Beeren, oder die Form der Bäume ohne Laub. Immergrüne Bäume (also Nadelbäume) mit ihrem dichten Grün sind meistens tolle Winterwälder, und man kann darin viel beobachten. Vielleicht entdeckst du sogar Tierspuren im Schnee oder Matsch? Kannst du die Laubbäume an der Rinde und an den Zweigen erkennen?

Wenn Rausgehen nicht (oft) geht

Im Winter lässt sich Natur auch sehr gut drin betrachten, während man dort das Zeichnen übt. Du kannst kleine Dinge wie vertrocknete Pflanzenteile, Zapfen oder Beeren von draußen mit reinbringen und sie untersuchen und in Sammlungen arrangieren (mehr zu dieser Technik erkläre ich in meinem Kreativkurs auf Skillshare (englisch)). Es lohnt sich auch, sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen zu einem Thema zu beschäftigen.
Die dunkle Zeit des Jahres ist prima geeignet, um sich zum Beispiel über Pflanzenkunde oder Tieranatomie oder Wetterphänomene zu belesen, je nachdem was dich beschäftigt. In einem Naturführer stehen meist schon viele hilfreiche Grundlagen.

Winter bedeutet also nicht, dass alles vertrocknet und tot ist. Es gibt auch Pflanzen, die das ganze Jahr über grün bleiben, vielleicht wachsen manche davon auch bei dir? Wenn man Zweige mit Knospen von Laubbäumen mit reinbringt und sie in Wasser stellt, kann man beobachten, wie sie innerhalb kurzer Zeit aufgehen und blühen. Natürlich kann man diesen Vorgang auch zeichnen.

Mehr Ideen fürs Zeichnen

Hier sind noch ein paar Ideen für das Naturtagebuch im Winter:

  • Baumsilhouetten: Betrachte die Form verschiedener Bäume und skizziere sie. Übe das Zeichnen von Bäumen ohne Laub, und von Nadelbäumen.
  • Bäume aus der Nähe: beobachte die Rinde und die Zweige (wie sitzen die Knospen an den Zweigen?), vielleicht finden sich auch Früchte oder Zapfen auf dem Boden. Wie unterscheiden sich Nadelbäume von Laubbäumen? Wie würdest du Büsche einordnen? Welche immergrünen Pflanzen wachsen kannst du finden?
  • Tierspuren: viele Tiere sind aktiv im Winter und hinterlassen ihre Spuren, mit ein bisschen Glück kann man sie im Schnee oder Matsch finden. Welches Tier hat die Spur hinterlassen? Welche Tiere gibt es bei dir, die Winterschlaf oder Winterruhe halten? Wo überwintern diese Tiere? Ein exzellentes Buch zum Thema ist „Winter World: The Ingenuity of Animal Survival“ von Bernd Heinrich. Heinrich ist Biologe in Vermont, er beschreibt im Buch die Strategie verschiedener Tierarten, um über den Winter zu gelangen. Das Buch ist soweit ich sehen kann leider noch nicht auf Deutsch erschienen, es gibt aber einige andere Bücher von ihm, die übersetzt wurden. Wenn du Bücher mit ähnlichen Themen kennst und empfehlen kannst, schreib mir diese gern in die Kommentare, ich freue mich über neue Leseempfehlungen!
  • Wenn du angefressene Zapfen siehst, versuche rauszufinden, welches Tier das war. Oft findet man diese Information in Büchern, Naturschutzzentren oder Naturkundemuseen.
  • Geh ins Museum! Naturkundemuseen sind tolle Orte, um etwas Neues zu lernen.
  • Vögel lassen sich im Winter exzellent beobachten und zeichnen. Ohne das Laub an den Bäumen kann man sie besser studieren. Mit einem Fernglas und einem Skizzenbuch ausgestattet kann man so schon mal einen ganzen Nachmittag verbringen. Der Spätwinter ist der Beginn der Balz für viele Vögel.
  • Das Wetter ist auch ein Thema, das im ganzen Jahr verfügbar ist. Wetterphänomene, Mondphasen und Wechsel in der Jahreszeit können alle in die eigenen Aufzeichnungen integriert werden. Wenn bei dir Schnee fällt, schau dir an, wie sich der Schnee verändert, und wie man verschiedene Schneesorten zeichnen und malen kann.
  • Hast du schon mal eine Schneeflocke genau betrachtet? Versuch mal ein Foto davon zu machen, bevor sie schmilzt, und studiere sie genau. Als Anregung möchte ich hier noch auf die faszinierenden Fotos von Wilson Bentley verlinken, der um 1900 die ersten Fotos von Schneeflocken aufgenommen hat.
  • Und letztlich kannst du auch persönliche Notizen zum Winter mit in dein Naturtagebuch aufnehmen. Wie fühlst du dich im Winter? Was löst die kalte Jahreszeit an Gedanken und Gefühlen bei dir aus? Was ist für dir ein Symbol für den Winter? Gibt es Bücher oder Gedichte, die dir einfallen?

Wenn du mehr praktische und mit visuelle Anleitung möchtest, kann ich dir meinen neuen Skillshare-Kurs zum Thema Zeichnen und Naturtagebuch im Winter empfehlen. Der Kurs ist auf Englisch, aber leicht verständlich.

Was hast du für Ideen und Erfahrungen mit dem Naturtagebuch im Winter? Lass es mich gern wissen und schreib es mir in die Kommentare. Ich bin neugierig darauf, was du in dieser Jahreszeit mit deinem Skizzenbuch machst.

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Julia Bausenhardt Illustration & Naturskizzen

In diesem Blog schreibe ich über das Zeichnen in der Natur, meine Skizzenbuchexperimente, Pigmente und Aquarelltechniken, Naturtagebücher, Zeichentutorials, Workshops und vieles mehr.
Ich möchte zeigen, wie man die Natur mit dem Skizzenbuch entdecken und dabei gleichzeitig Zeichnen und Malen lernen kann.

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