Die Papiere

Ich habe von Hahnemühle die folgenden Papiere erhalten:

Hahnemühle Cezanne (satiniert), das schwere Hahnemühle Leonardo (satiniert), und einen Federzeichenblock. Alle drei Papiere sind naturweiß und haben eine äußerst glatte Oberfläche, was für das Schreiben mit der Feder sehr positiv ist, dennoch haben sie die typischen Eigenschaften von Aquarellpapieren (zumindest Cezanne & Leonardo).

Ich habe auf jedem Papier folgende Techniken ausprobiert:

  • Schreiben mit schwarzer Zeichntusche/Nikko G
  • Schreiben mit Walnusstinte/Brause EF66
  • Schreiben mit verdünnter Aquarellfarbe/Brause EF66
  • detailliertes Malen mit Aquarell (Blumenranke)
  • ein kleiner und ein größerer Verlauf mit Aquarellfarben

Zwei der drei Papiere (Cezanne & Leonardo) kommen in geleimten Blöcken – was sehr vorteilhaft ist, wenn man nur in Aquarell mit viel Wasser arbeitet, da sich das Papier dann nicht verziehen oder wellen kann. Für Kalligrafie benötigt man meist Einzelbögen, um mit diesen auf einer Lichtbox arbeiten zu können. Dafür müssen die Bögen sehr vorsichtig herausgetrennt werden. Dies geht am besten mit einem nicht scharfkantigen Lineal oder Falzbein, und mit den Händen, damit die Kanten nicht einreißen. Für fertige Werke empfiehlt es sich, den Rand mit der Klebekante noch mal zu beschneiden oder alles zu rahmen.

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Hahnemühle Cezanne

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Dieses naturweiße Papier hat 300 g/m2 und fühlt sich beim Beschreiben mit der Feder ganz leicht rau an (es ist aber perfekt glatt wenn der Finger darüber gleitet), es ist allerdings satiniertes Papier. Die Feder hängt allerdings nirgendwo fest, man merkt nur einen ganz kleinen Widerstand beim Schreiben (der zum Beispiel beim Federzeichenpapier oder bei Bristolkarton nicht auftritt).

Die Schreibqualität ist mit allen drei Techniken sehr gut und es lassen sich sehr feine Linien schreiben.

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Die Aquarellblüten ließen sich sehr gut malen, beim Verlauf sieht man sehr schön die feine Struktur des Papiers durch das aufgetragene Pigment.

Das Papier hat sich beim Malen des großen Verlaufs leicht gewellt, was zu erwarten ist beim Einsatz von viel Wasser. Um dem abzuhelfen, muss das Papier entweder direkt auf dem Block bearbeitet oder am Tisch mit Klebeband befestigt werden.

Hahnemühle Cezanne besteht zu 100% aus Hadern – also feinen Baumwollfasern.

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Federzeichenblock

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Dieser naturweiße, sehr glatte Block hat 250 g/m2 und ist in erster Linie für Federzeichnungen gedacht. Ich wollte herausfinden, wie gut er sich mit der Anwendung von Aquarellfarbe verträgt. Dieses Papier hat den deutlichsten Gelbstich von allen drei, und ich würde es als deutlich wahrnehmbaren Gelbstich bezeichnen, der mir auf den ersten Blick nicht so gut gefällt. Aber so etwas ist ja sehr subjektiv, und mit einem warmen Rotton kombiniert kann das schon wieder anders aussehen und sehr passend sein.

Das Papier hat eine sehr glatte Oberfläche, auf der man mit der Feder toll schreiben kann. Ich habe keine Probleme oder Widerstände bemerkt.

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Beim Malen mit hohem Wasseranteil zeigt sich jedoch, dass das papier dafür an sich nicht gemacht ist: es wellt sich und die Farbe sammelt sich in kleinen Senken und trocknet so unregelmäßig. Gleichmäßige Verläufe sind so etwas schwer zu erhalten. Ich empfehle auch hier, das Papier festzukleben und eher sparsam mit der Wassermenge umzugehen.

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Die kleine Blumenranke gelingt allerdings auch hier, obwohl ihr das typische Aquarellierte (durchscheinende Verläufe) etwas fehlt.

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Hahnemühle Leonardo

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Dies ist das schwerste Papier von allen dreien mit 600 g/m2, und das Papier fühlt sich auch sehr schwer und wertig an. Es hat eine sehr weiche, glatte Oberfläche – es besteht zu 100% aus Hadern und hat dadurch diesen fast „stoffigen“ Griff.

Beide Federn, die ich verwendet habe (Nikko G und Brause EF66) hatten keine Probleme mit der Oberfläche, wobei ich etwas vorsichtig sein musste beim Schreiben mit verdünnter Aquarellfarbe: diese macht die Feder generell etwas härter und störrischer, und so hatte die EF66 mitunter Startschwierigkeiten (wofür sie eh anfällig ist) und hakte auch ein paar Mal.

Alles in allem ein tolles Papier um darauf zu schreiben wenn man ein wenig aufpasst. Ich nehme an, dass es mit einer großen weichen Feder wie der Brause Steno noch besser geht.

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Das Papier liegt plan und wellt sich kein bisschen auch bei der Verwendung von viel Wasser und zeigt dabei seine schöne feine Struktur.
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Ich habe den Bogen ja aus dem Block getrennt, um mit dem Leuchttisch arbeiten zu können, was übrigens erstaunlicherweise noch ging – meist gibt es ab 450 g/m2 etwas Schwierigkeiten, Vorlagen gut sehen zu können, aber es ist auch bei 600 g/m2 grad noch möglich.

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Im Vergleich

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Alles in allem kann ich jedes dieser drei Papiere für Kalligrafie empfehlen, und auch für die Kombination mit Aquarelltechniken. Der Federzeichenblock, der ja auch das geringste Gewicht hat, hat die meisten Probleme mit viel Wasserauftrag, doch dafür ist er an sich auch nicht konzipiert und ich muss dazu sagen, dass ich auch schon andere „Aquarellpapiere“ gesehen habe, die von der Farbaufnahme und -verteilung schlechter waren. Dennoch sollte man bedenken, dass die Stärken des Federzeichenblocks nicht in Nass-in-Nass-Techniken liegen, sondern in der Verwendung mit Feder und Zeichentusche.

Dem Cezanne und Leonardo hingegen merkt man an, dass sie hochwertige Künstlerpapiere für Aquarellmaler sind – dies kann man sehen und fühlen. Man kann schöne Ergebnisse auf beiden Papieren erzielen, und abhängig vom Projekt würde ich auch beide uneingeschränkt empfehlen. Die Tatsache, dass man durch das dicke, schwere Leonardo noch mit Hilfe eines Leuchttisches seine Unterlage sehen kann, ist ein definitives Plus! Ich fand das Schreiben mit der Stahlfeder auf dem Leonardo sehr angenehm, obwohl man sich beim Verwenden von Aquarellfarbe mit der Feder ein kleines bisschen mehr konzentrieren muss.

Alles in allem, drei tolle Papiere zum Schreiben und Aquarellieren, und ein großes Danke an Hahnemühle, die mir diesen Vergleich ermöglicht haben!