Die häufigsten und seltensten Vögel in Deutschland

Meine Zeichenstudien haben sich inzwischen in ein laufendes Projekt verwandelt, bei dem ich die häufigsten Vögel, die wir in Deutschland (bzw. Europa) haben, in Aquarell male. Die seltenen und vom Aussterben bedrohten Vögel als Gegenpol mit aufzunehmen, erschien mir wichtig, da es in den letzten Jahren teil gravierende Verschiebungen in den betroffenen Vogelpopulationen gegeben hat. Vieles deutet darauf hin, dass dies auch mit dem zunehmenden Rückgang von Insekten zu tun hat, die ja die Nahrungsgrundlage für viele Vogelarten sind.

Ich bin noch nicht sicher, wohin mein Zeichenprojekt am Ende konkret führt, momentan widme ich mich enthusiastisch jedem neuen Vogel, und lerne dabei viel über die verschiedenen Arten, was mir wiederum beim Beobachten von Vögeln draußen hilft.

Der Winter bietet sich an für die Vogelbeobachtung, da sie weniger von Bäumen und Laub versteckt werden, ich verbringe also auch viel Zeit mit Fernglas und Skizzenbuch wann immer ich Zeit habe. Zumindest für die häufigen Gartenvogelarten kann ich für dieses Projekt also auf direkte Beobachtung und Studien zurückgreifen. Für Details und seltene Arten bin ich auch auf Fotos angewiesen. Ich erstelle detaillierte Illustrationen immer erst dann, nachdem ich eine Art intensiv durch Skizzen kennengelernt und viele Referenzen angesehen habe.

Sparrows

Häufige Vögel in Deutschland – eine Auswahl meiner bisherigen Bilder

Hier sind einige der Illustrationen, die ich bisher gemalt habe. Ich arbeite an diesem Projekt recht langsam und immer dann wenn ich Zeit habe, und entscheide dann spontan welchem Vogel ich mich als nächstes widme.

Du kannst mehr Bilder hier und hier sehen.

Mein Malprozess

Die Grundlagen – Anatomie und Beobachtung

Der erste Schritt für ein erfolgreiches Bild ist es, sein Motiv zu verstehen und es umfassend zu studieren, vor allem wenn man es realistisch darstellen will. Ich habe erst vor kurzem wieder angefangen, realistischer zu malen (das letzte Mal habe ich das in der Kunstschule vor über 10 Jahren gemacht), und ich wusste anfangs auch quasi nichts über Vögel – zumindest aus künstlerischer Perspektive. Zunächst habe ich mich sehr eingehend mit der Anatomie von Vögeln beschäftigt, gelernt, wie Gefieder und Flügel aufgebaut sind, wie die Positur und das Verhalten von Vögeln aussieht. Natürlich gibt es Unterschiede bei den einzelnen Arten, aber es ist sehr hilfreich zu wissen, wie Federn an einem Vogel für gewöhnlich arrangiert sind, damit man ihn besser zeichnen kann.

Vorbereitende Skizzen und Farbstudien

Ich fertige Bleistiftskizzen und Detailstudien für jeden Vogel an, den ich malen möchte, dabei versuche ich, so viele Positionen zu zeichnen wie möglich, um den Vogel rundherum zu verstehen. Wann immer es möglich ist, beobachte ich ein Tier direkt (am besten mit dem Fernglas), dieses unmittelbare Erfassen hilft, die spezifische Art besser kennenzulernen und zu verstehen, auch Farbe kann so am besten ermittelt werden.
Manche Details lassen sich allerdings nur durch Fotos genau erfassen, und das Zeichnen von Fotos ist meist mein zweiter Schritt. Eine gute Alternative ist auch das Arbeiten mit präparierten Tieren, wenn man darauf Zugriff hat.
Malen von Fotos kann etwas problematisch sein, da das Motiv schnell etwas flach geraten kann, auch sind die Farben meist sehr abhängig vom Licht, in dem das Foto aufgenommen wurde. Fotos können aber auch eine große Hilfe sein, wenn man nicht nah an den Vogel herankommt. Wenn irgendwie möglich, ist es also am besten, eigene Notizen zu Haltung und Farbe des Vogels zu machen, und für Details (Federgruppen, Markierungen) auf Fotomaterial zurückzugreifen.

Noch eine kurze Anmerkung zum Malen von Fotos: wer nicht von eigenen Fotos malt, sollte die Urheberrechte beachten. Fotos unterliegen auch dem Urheberrecht, und dieses sollte respektiert werden. Es gibt Fotomaterial im Internet, das mit einer Creative Commons Lizenz versehen ist und dann verändert (also zum Beispiel gemalt oder gezeichnet) werden darf. Am besten ist es natürlich immer, eigene Bilder zu verwenden, aber gerade für Vögel kann das sehr viel Aufwand bedeuten.

Ich beginne meine Skizzen oft mit einem hellen Buntstift und zeichne dann mit Bleistift darüber, die farbigen Linien treten dann in der Wahrnehmung oftmals fast vollständig zurück (hellblau eignet sich sehr gut dafür). So kann ich erst die Grundformen und Proportionen festlegen, und dann mehr Details hinzufügen. Ich zeichne meist etwas mehr Details in den Federn wenn ich mit Bleistift zeichne, um genau zu verstehen, wie der Vogel sein Gefieder arrangiert hat.

Der Malprozess

Wenn ich mich auf eine Perspektive festgelegt habe, lege ich die Zeichnung auf Aquarellpapier noch einmal an, und zwar ganz leicht mit einem harten Bleistift. Die Details deute ich dabei nur an. Da Bleistift nicht mehr radiert werden kann, wenn eine Farbschicht darüber liegt, und da Aquarell meist leicht transparent ist, ist es am besten direkt vor dem Malen die Linien noch mal leicht zu radieren.

Ich trage die Aquarellfarbe in Schichten auf. Dabei fange ich meist mit hellen Tönen an, oft mit einem hellen Grau, und füge mehr Details und mehr Farbe in den folgenden Schichten hinzu. Manchmal setze ich auch gleich zu Anfang eine dunkle Farbe (wie das Auge, oder den Schnabel) als Kontrastpunkt, so dass ich die Tonwerte im Bild besser abstimmen kann.

Im Grund wiederholt sich dann immer wieder der gleiche Schritt, ich trage Schritt für Schritt die Farbe auf, in transparenten Schichten, bis das Bild fertig ist. Das klingt etwas monoton, aber an dieser Stelle muss man ständig mit der Vorlage vergleichen und entscheiden, wo noch etwas fehlt, um ein realistisches Bild zu erhalten. Wenn die Vorzeichnungen und Farbstudien genau sind, fällt einem das meistens etwas leichter.
Es gibt für diesen Teil des Malens auch keinen definitiven oder richtigen Ablauf, jeder findet eine eigene Methode, die gut für ihn funktioniert.

Zusätzliche Tipps zum Skizzieren, Zeichnen und Malen:

  • Vögel sind immer in Bewegung, es kann also gerade anfangs recht schwierig sein, sie zu zeichnen. Es wird ein bisschen besser, wenn man viel übt, aber es ist dennoch eine Herausforderung. Ich konzentriere mich meist auf die wichtigsten Linien, die Haltung und den Kopf des Vogels. Es ist sinnig, sich nicht gleich anfangs auf die Details zu stürzen, wenn man nur ein paar Sekunden hat, bevor der Vogel sich bewegt (oder wegfliegt).
  • Wenn man sich viel mit Details und Anatomie beschäftigt hat, kann es leicht passieren, dass man auch alles hineinzeichnen möchte, was man weiß. Das ist verständlich, aber der Vogel kann dann schon mal aussehen wie ein Pinienzapfen. Weniger ist an dieser Stelle oft mehr.
  • Vögel flauschen oft ihr Gefieder auf, vor allem wenn es kalt ist. Diese aufgeflufften Federn kann man malerisch darstellen, indem man viele kleine Striche in mehreren Schichten und eventuell leicht veränderten Farben nebeneinander und übereinander setzt.
  • Ich verwende gern transparente Aquarellpigmente anstatt deckender Pigmente, um die Schichten gut zur Geltung bringen zu können. Ich vermeide auch die meisten Mischungen mit Schwarzpigmenten, da sie flach und tot wirken können und ich das für eine Vogelillustration natürlich nicht möchte.
  • Der wichtigste Tipp: nimm dir Zeit. Ein realistisches, detailreiches Bild braucht einfach seine Zeit und damit auch Geduld. Geduld zu haben kann man definitiv üben, das weiß ich aus eigener Erfahrung, ich war nämlich früher eine sehr ungeduldige und schnelle Malerin. Ich habe dann Bild für Bild meine Geduld geübt. Hab also Vertrauen in den Malprozess und hab vor allem Spaß daran, und konzentrier dich nicht zu sehr auf das Endergebnis. Das ist nur ein kleiner Teil des Ganzen.

Ich hoffe, diese Mischung aus Projektvorstellung und Anleitung war hilfreich und interessant für dich. Ich werde auf jeden Fall noch einmal von diesem Projekt berichten wenn ich mehr Vögel gemalt habe, und ich stelle auch gern mehr Zeichen- und Maltechniken vor, wenn daran Interesse besteht.

Wenn du Fragen oder Anmerkungen hast, schreib sie mir gern in die Kommentare!

Melde dich zum Newsletter an

Erhalte regelmäßig Emails mit Ideen und Tips zum Thema Skizzenbuch, Aquarell und Zeichnen in der Natur, sowie Neuigkeiten zu meinen Kursen.

Du hast dich erfolgreich angemeldet!